Aktuell:
Das ARD-Morgenmagazin lüftet vor Weihnachten die Mysterien des
Domberges
Erfurt/Köln (BiP). Das ARD-Morgenmagazin sendet am Montag, 22. Dezember
und Dienstag, 23. Dezember zwischen 6.00 und 9.00 Uhr jeweils drei Beiträge über
den Domberg in Erfurt. "Geheimnisvoller Erfurter Dom" ist die sechsteilige Serie
überschrieben
Reporter: Danko Handrick (MDR)
Redaktion: Hanno Frings (WDR), Olaf Kische
(MDR)
Autor: Hubert Feller (WDR)
Kamera: Wolfgang Jaskulski, Gisbert Block
SMG-Technik: Claudia Heinrich
Ton: Florian Klemet
Bildmischerin:
Steffie Kynasz
Das ARD-Morgenmagazin widmet sich in einer Reportagereihe "zwischen den
Jahren" den großen Kirchenbauten Deutschlands.
Der
Dom zu Köln machte 2007 den Anfang.
Am 22. und 23. Dezember
2008 erkundet Reporter Danko Handrick die Mysterien des Erfurter Mariendoms,
einer der wichtigsten und ältesten Kirchenbauten Thüringens.
Montag,
22.12.:
Glaswerkstatt, Glockenturm und HochaltarDanko
Handrick besucht die Glaswerkstatt, die sich um den Erhalt der gewaltigen, 18,6
Meter hohen und bis 2,60 Meter breiten Chorfenster kümmert. Die Fenster zeigen
die biblische Heilsgeschichte und viele Heiligenbilder. Sie wurden zwischen 1370
bis 1420 geschaffen.
Der Glockenturm beherbergt auch die knapp 11,5 Tonnen
schwere Glocke Gloriosa, die mit einem Durchmesser von rund 2,5 Metern die
größte freischwingende, mittelalterliche Glocke der Welt ist. Sie stammt aus dem
15. Jahrhundert und musste 2004 ausgebaut und geschweißt werden.
Ein weiterer
Schatz des Erfurter Doms ist der 16,5 Meter hohe Hochaltar. Dombaumeister
Andreas Gold erklärt unserem Reporter die Besonderheiten des barocken
Kunstwerks. Den aufwändigen Schnitzereien des Chorgestühls fügten gelangweilte
Chorschüler im Laufe der Jahre Kunstwerke ganz anderer Art
hinzu.
Dienstag, 23.12.:
Taufstein, Kunstmagazin und
KreuzgangAm riesigen, 15 Meter hohen Taufstein der benachbarten
Severikirche trifft Danko Handrick auf die Restauratoren, die erklären, worin
ihre Arbeit besteht und hat Gelegenheit, den Experten bei der Ausübung ihres
Werks über die Schulter zu schauen. Das Taufstein ist eine Stiftung des
Severikanonikers Johannes Steinberg, und kostete damals 2.500 Gulden, was nach
heutigem Geldwert etwa drei Millionen Euro entspricht. Die Herkunft dieses
Geldes ist bis heute ungeklärt.
Im Kunstmagazin des Erfurter Doms werden 1000
Kunstgegenstände aus 40 Kirchen des Bistums Erfurt aufbewahrt, deren ältestes,
ein 30 cm hohes romanisches Standkreuz, aus der zweiten Hälfte des 12.
Jahrhunderts stammt. Da die hohe Luftfeuchtigkeit den Objekten schaden würde,
wird der Raum mit Klimageräten entfeuchtet.
Weihbischof Reinhard Hauke, den
Reporter Danko Handrick zu einem Gespräch im Kreuzgang trifft, wurde selbst im
Erfurter Dom geweiht. So wie schon 1507 der wohl berühmteste Sohn der Stadt,
Martin Luther, der in der Kilianikapelle des Kreuzgangs die Priesterweihe
empfing. Dort ist heute ein Seminarraum für die Katholische Fakultät der
Universität Erfurt untergebracht. Wir sprechen mit den Studierenden.
Über den Dom:
Virtueller Rundgang (360°, drehrum.de)
Erläuternder Text zusätzlich:
Um das Jahr 725 ließ Bischof Bonifatius in einem Ort in Thüringen, genannt Erfurt eine Kirche auf dem Domberg errichten, die als Vorgängerbau des heutigen Domes gilt.
Im Jahr 742 bat der heilige Bonifatius Papst Zacharias um die Bestätigung seiner Bistumsgründung in Erfurt. Noch zu Lebzeiten des Bischofs Bonifatius, der im Jahr 746 Bischof von Mainz geworden war, wurde das Kirchengebiet des ersten Bistums Erfurt in das Bistum Mainz inkorporiert.
1154 begann der Bau einer romanischen Basilika. Dabei wurden die offenbar in Vergessenheit geratenen Gräber der beiden Mitarbeiter des heiligen Bonifatius wiederentdeckt: das Grab des heiligen Eoban Bischof von Utrecht - und des heiligen Adolar, der als erster Bischof von Erfurt verehrt wird. Der spätromanische Bau besaß ein dreischiffiges Langhaus, ein Querschiff und zwei Türme an der Ostseite der Kirche.
Am 25. März 1349 wurde der Grundstein für einen Erweiterungsbau in Richtung Osten der Hohe Chor gelegt. 15 Meter über dem Domplatz wurde auf drei Kelleretagen eine einschiffige hochgotische Halle errichtet, die 1370-1372 fertiggestellt war. Dieser Raum ist bis heute durch die gotischen Fenster geprägt, die von der Heilsgeschichte des Neuen und Alten Testaments und dem Leben der Heiligen erzählen. In einem kunstvoll gestalteten Chorgestühl aus der Zeit um 1350 saßen die Schüler der Domschule und die Lehrer beim Gottesdienst.
Heute wird das Hohe Chor im Osten durch einen Barockaltar von 1697 geprägt, der die wichtigsten Heiligen und Patrone des Thüringer Landes zeigt. 1455 wird an Stelle des dreischiffigen romanischen Baus eine spätgotische Halle errichtet. 1465 konnte hier der erste Gottesdienst gefeiert werden.
Bis heute werden der Hohe Chor und das sogenannte Langhaus von 1455 für die Gottesdienste des Bischofs, Domkapitels, der Domgemeinde und des Bistums genutzt.
Die Kunstwerke erzählen dabei vom Glauben der Vorfahren und die Gläubigen danken ihnen mit ihrem Gebet.Weitere Kunstwerke:
Die Pieta (um 1350) betont durch den kindhaften klein dargestellten Leichnam Jesu die innige Mutter - Kind - Beziehung.
Das Tryptichon Eingornjagd: Die Ankündigung der Geburt Jesu durch den Erzengel Gabriel wird aus der Zeit um 1420 in der Allegorie der Einhornjagd gezeigt. Da das Einhorn nur von einer Jungfrau gefangen werden kann, wird mit dieser Darstellung das Bekenntnis sowohl zur Jungfräulichkeit Mariens, als auch zur Gottessohnschaft Christi abgelegt.
Der Wolfram-Leuchter: Der Bronzeleuchter - um 1160 ist das älteste freistehende Gusswerk der deutschen Kunstgeschichte.
Das von-Gleichen Epithaph: Das Grabmal entstand im dritten Viertel des 13. Jahrhunderts.
Maria Sedes Sapientiae: In der Zeit um 1155 entstand die romanische Madonna des Erfurter Marien-Domes. Als solche Marriendarstelluing ist die Gottesmutter auch Patronin der Erfurter Studentengemeinde.
Das Sakramentshaus aus der Zeit um 1580 ist ein Meisterwerk der Steinmetzekunst in der Renaissance. In szenenhaften Darstellungen wird die Spendung der 7 Sakramente gezeigt: Taufe, Firmung, Buße, Ehe, Priesterweihe, Eucharistie, Krankensalbung.
Das Heilige Grab ist ein Andachtsbild, das uns die Liebe Christie bis zum Tod vor Augen stellen möchte und zugleich Hoffnung auf Auferstehung der Toten gibt. Der Grabchristus wurde um 1420 aus Lindenholz geschnitzt. Auch die Grablade wurde am Anfang des 15. Jahrhunderts hergestellt, jedoch erst in späterer Zeit bemalt. In einem Augsburger liturgischen Buch des 11./12. Jahrhunderts wird das Begräbnis des Kreuzes und der Hostie beschrieben, so das eine "Hostienhöhle" im Corpus des Crucifixus geschaffen werden musste. Die großen Wundmale des Grabchristus in Erfurt könnten zur Aufbewahrung von Hostien gedient haben.
Das 8,80 x 5,95 m große Wandgemälde des Hl. Christopherus wurde 1499 mit Ölfarbe auf den Sandstein gemalt. Es zeigt den heiligen Christopherus, den Christusträger, der - wie die Legende erzählt - Christus diente, indem er anderen half, einen reißenden Fluss zu überqueren. Aufgrund dieser Tätigkeit wird er als Patron der Reisenden verehrt. Die Größe der Darstellung - gleich gegenüber dem Eingangsportal - wird mit der christlichen Überzeugung des Mittelalters begründet, dass das Anschauen eines Bildes des heiligen Christopherus vor einem unverhofften Tod bewahren kann. Rechts über der Schulter des Heiligen ist der Dom mit Kavaten und Freitreppe zu sehen.
Das Grabmal der Familie von Gleichen entstand im dritten Viertel des 13. Jahrhunderts und befand sich bis 1813 in der Basilika des Erfurter Petersklosters. Vieles spricht dafür, dass es sich bei den dargestellten Personen um die Stifter des Petersklosters handelt: den Grafen von Gleichen, seine Gemahlin (links) und seine Mutter (rechts). Gestalterische Elemente erwecken den Eindruck einer gewissen Ähnlichkeit mit Stifterfiguren im Westchor des Naumburger Domes (Reglindis, Hermann, Berchta). Das Grabmal wurde zuweilen mit der Sage von einem bigamistischen Grafen von Gleichen in Verbindung gebracht, was jedoch eines historischen Beweises entbehrt.
Hans Friedemann d.Ä. vollendete 1587 das Taufbecken des Domes. Der Weimarer Künstler Hieronymus Preußer gestaltete zwischen 1585 und 1587 den 18, hohen Überbau, um damit vermutlich die Taufkirchen (Baptisterien) der frühchristlichen Zeit nachzuahmen. An diesem Taufstein lässt sich erklären, was taufe bedeutet: Verbindung zwischen Himmel und Erde. Der Taufstein mündet in den Wolken, aus der Gottvater schaut.
Drei Reliefs aus einem spätgotischen Schnitzaltar (um 1470) schildern die Geburt Christi (Weihnachten), die Anbetung durch die Weisen aus dem Morgenland (Epiphanie) und die Ausgießung des Heiligen Geistes (Pfingsten).
Lucas Cranach d.Ä. zeigt in der Darstellung "Die Verlobung der heiligen Katharina" aus der Zeit um 1522 die heilige Katharina und andere Jungfrauen.